Brausepöter: Keiner kann uns ab?!

Ganz früh dabei – seit 1978 – New Wave mit deutschen Texten – eine Single auf Alfred Hilsbergs Zick Zack Label – und schon früh wieder verschwunden – 1982. Das waren Brausepöter. Und sind es mittlerweile wieder.
Brausepöter sind damals in ganz Deutschland aufgetreten, u.a. auf dem legendären Markthallen-Festival 1980 in Hamburg zusammen mit Abwärts und Einstürzende Neubauten. 1980 spieleten sie außerdem dreimal in der Herforder Scala und waren damit auch wieder eine der ersten. Brausepöter war die zweite Band, die dort nach der Eröffnung gespielt hat – am 10.5.1980.

1981 drehten die Rietberger ein Video: Bundeswehr. Martin Lück (Gitarre und Gesang) erzählt, wie es dazu kam…

alleskalhier: Wie ist das Video zu Bundewehr damals eigentlich entstanden?

Martin: Michael Bentele von der Filmhochschule München hat per Brief, nix E-Mail, bei uns angefragt, ob er mit uns ein Video drehen kann. 1981 war das.

alleskahlhier: Kannst Du dich noch an den Tag erinnern? Wie lief das ab?

Martin: Eigentlich wollten wir einen ganz anderen Song aufnehmen. Nämlich „Frei von all dem hier“. Es sollte so ein experimenteller Dreh werden, bei dem wir live in einem Auto spielen. Dazu hatten wir schon unsere Anlage inklusive Mini-Schlagzeug in meinen alten Renault gequetscht, was sehr skurill war. „Bundeswehr“ war nur als Zweitsong gedacht, sollte aber als erster aufgenommen werden. Wir gingen mit dem Filmteam in eine alte Schnapsbrennerei, die schon komplett leer war, weil die zwei Wochen später abgerissen wurde, und spielten den Song live ein. Unser Freund Kneader, ein schräger Punk der ersten Stunde, hat dazu im Hintergrund getanzt. Nach dem Dreh von „Bundeswehr“ war plötzlich das Band alle und an Neues war so schnell nicht dranzukommen. Festplatten-Recording war damals unvorstellbar! So ist es dann bei „Bundeswehr“ geblieben.

alleskahlhier: Was habt ihr mit dem Video gemacht, wer konnte sich das denn wo ansehen?

Martin: Das Video wurde im Rahmen des Films Tempo82 im Januar 1982 von der ARD gesendet. Michael Bentele, der späterer Regisseur von Formel Eins, der Musikvideosendung, und Thomas Merker als Kameramann haben für diesen Film die ersten deutschen Videoclips produziert. Ebenfalls darin zu sehen waren übrigens Abwärts, Palais Schaumburg und die Radierer.

alleskahlhier: Und heute? Was macht die Band gerade aktuell?

Martin: Wir nehmen gerade ein neues Album auf. Das wird im Sommer erscheinen. Dass wir wieder zusammen sind, hat ganz unmittelbar mit dem Bundeswehr-Clip zu tun. Als der fast 30 Jahre später auf YouTube aufgetaucht ist, haben sich viele begeisterte Stimmen zu Wort gemeldet und der Song erschien dann bei zwei Labels gleichzeitig, Fin du Monde aus Münster und Wild Isle aus Brooklyn, New York. Er hat es bis in die Top-Ten vom Maximum Rock ’n‘ Roll aus San Fransisco geschafft. Das hat uns inspiriert, wieder zusammen zu kommen. Wir hatten uns nach unserer Auflösung 1982 eh nie ganz aus den Augen verloren. Seitdem spielen wir in losen Abständen Konzerte, unter anderem in Münster, Schwerin, Chemnitz und Berlin. Das Publikum kommt dabei oft aus einer ganz anderen Generation als wir selbst. Am erstaunlichsten ist, dass die oft den Text von Bundeswehr von der ersten bis zur letzten Silbe mitsingen können und dies sehr inbrünstig tun, obwohl sie die Wehrpflicht doch gar nicht mehr betrifft. Es ist ein schönes Gefühl, dass die Musik Leuten etwas bedeutet, die in einer ganz anderen Zeit aufgewachsen sind. Das bestätigt im Nachhinein auch den schweren Weg, den man damals gegangen ist, mit all den Anfeindungen und dem ganzen Unverständnis für die aufkeimende Punkmusik, die letzlich nur ehrlich und direkt sein wollte.

Hier erfahrt Ihr mehr über Brausepöter: http://www.brausepoeter.de

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