DEAD KENNEDYS in Herford?! – Teil II

Am 18.10.1980 fand in der Scala in Herford der Auftritt der DEAD KENNEDYS statt. Außerdem auf der Bühne: die AHEADS. Wie es dazu kam und was der Abend sonst noch so zu bieten hatte, hat Werner [AHEADS] 23 Jahre später verraten.

alleskahlhier: Inwiefern warst Du in die Veranstaltung involviert? Ihr habt an dem Abend ja auch mitgespielt. Wie kam es dazu?

Werner: Die Scala hatte schon immer eine große Bedeutung für uns. Hier haben wir unsere ersten großen Bands gesehen, hier haben wir an einem Abend in der Scala Kneipe beschlossen eine Band zu gründen und hier haben wir dann auch Andy kennengelernt. Die Scala Kneipe war unser local pub und unser zweites Zuhause.
Als dann drei Bielefelder Jungs – Hansa, Puschel und ein dritter – und Ellen, die zu der Zeit die „Hammer Mühle“ eröffnet hatte, anfingen im großen Saal Konzerte zu veranstalten unter dem Namen „New Wave Scala“ hatten wir schon Kontakte.
Im Sommer 1980 stand es nicht so besonders gut bei den AHEADS. Andy war ständig auf Manöver oder hatte zunehmend Ärger in der Army. Somit konnten wir relativ selten üben. Und weil wir schon im Mai und im Juni auf den „New Wave Scala Festivals“ gespielt hatten, gab es die Überlegung die GONOKOKKEN ins Vorprogramm der Dead Kennedys zu setzen.
Die GONOKOKKEN waren ein lockerer Zusammenschluss von AHEADS und ROTATORS Mitgliedern. TOP Hit: „mir geht’s gut – ich fühl mich wohl – doch innen drin da bin ich ganz hohl“!
O.K. – die Plakate waren schon gedruckt aber die GONOKOKKEN bekamen irgendwie „kalte Füße“. Da sind die AHEADS dann eingesprungen. Ja, wir waren schon irgendwie sowas wie die „Hausband“.

alleskahlhier: Wie hast Du den Abend erlebt? Irgendwelche Erinnerungen an den DEAD KENNEDYS oder AHEADS Auftritt?

Werner: Für mich war’s erst mal Horror. Ich hatte meiner damaligen Freundin versprochen sie gegen Abend vom Bahnhof abzuholen, um sie nach Lemgo zu bringen. So ein schöner, für mich wichtiger Tag und der Zug hatte gefühlte Stunden Verspätung. Ich war dann aber doch noch rechtzeitig zum Soundcheck wieder in der Scala.
Die Scala war bis zum bersten voll und eine unglaublich knisternde Stimmung verbreitete sich an diesem Samstagabend. Viele waren von weither angereist. Dann der Auftritt – das war für uns schon das Größte – auf dieser Bühne, volles Haus, überschäumende Stimmung – Big Bad Joe und Punks aus dem Publikum mit auf der Bühne und als am Ende des Sets Zugaben gefordert wurden und Jello uns mehrfach wieder auf die Bühne schickte, da war das einfach perfekt.
Weiteres über Dosenwerfen, Tränengas und brennende Kippen im Hemdkragen lest am Besten in den unterschiedlichen Fanzine Berichten.
Am Ende des Abends hatte sich eine hiesige Rockerbande draußen vor der Scala aufgebaut um Punks und die Bands anzupöbeln. Wir hatten davon Wind bekommen und konnten dank unserer erstklassigen Ortskenntnisse durch Hintertür und Schrebergärten diesem Aufeinandertreffen entkommen. Wir fuhren dann in die Stadt in ein Griechisches Restaurant um uns zu Stärken und richtig einen auf die Lampe zu gießen.
Womöglich lag es an dem vielen Ouzo das Klaus Flouride sich bis heute nicht mehr an den Abend in Herford erinnern kann. Ob und wie ich nach Hause gekommen bin, das weiß ich allerdings auch nicht mehr. (Cowrunski lacht)

alleskahlhier: Gab es danach noch Kontakt mit den DEAD KENNEDYS? Ich glaube Du hattest noch mal Briefkontakt oder…?

Werner: Ja, wir haben noch zwei Briefe von Jello erhalten in denen er noch um mehr AHEADS Singles bat und uns Adressen von weiteren Vertrieben in den USA schickte.

alleskahlhier: Aus heutiger Sicht liest sich das Live Programm der Scala im Sept/Okt 1980 wie das Who-is-Who der damaligen Szene und klingt außergewöhnlich. Wie hast Du das wahrgenommen?

Werner: Ja, außergewöhnlich – das stimmt. Aber dann doch nicht so völlig ungewöhnlich für Herford – war die Scala ja in den 60er Jahren Heimat des „Jaguar Club“ und Ort für Auftritte von Jimi Hendrix, the Who, den Small Faces und und und. Es lohnt sich sicher dieses Thema einmal zu vertiefen.
Für mich war es ein letztes aufflackern von Untergrund Kultur in Herford. Aber da gab es ja auch noch das „Forum“ in Enger, welches sich entwickelte, 1989 zum besten Clubs Deutschlands gekürt wurde und dafür sorgte, das man nicht im luftleeren Raum erstickte.

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